Ein Anfaenger wie jeder andere

Die Vorgeschichte

Aus einem Zuechter mit einigen Jahren Erfahrung in der Suesswasseraquaristik kann manchmal recht schnell ein Anfaenger werden, wie er im Buche nicht besser stehen kann. Besonders wenn man auf die Idee kommt neben den bisherigen tropischen Suesswasserbecken auch noch ein tropisches Meer- wasserbecken einzurichten. So aehnlich ist es bei mir gewesen. Bei den meisten faengt es bei dem Besuch Bekannter an, die durch „Zufall“ ein schoenes Becken haben oder gerade dabei sind etwas auszuprobieren. Der Ausloeser war bei mir vermutlich der Versuch eines Bekannten in einem 10 Liter grossen Becken ein Mini-Riffaquarium mit minimaler Technik aufzubauen, das leider aufgrund einer Krebsplage gescheitert ist. Dennoch hatte es den Erfolg, dass aus einem seiner kleinen Zuchtbecken ein fuer mich groesseres Meerwasserbecken mit rund 100 Litern wurde. Neben der Faszination an der Pracht der Meerwassertiere war der langgehegter Wunsch nach etwas neuen ein erheblicher Ausloeser. Dann ging es mir wie manch anderen Kind, das sich einen Wunsch in den Kopf gesetzt hatte, es musste ein Meerwasserbecken her. Nach dem ich mit der Suesswasseraquaristik einige Erfolge zu verbuchen hatte und drei schoenen Schauaquarien und eine Zuchtanlage mit 70 Aquarien betreibe und so manchen Kuehlen Sprung ins Wasser gewagt hatte, war ich diesmal schlauer und habe mir erst mal etwas Literatur beschafft und nix ueberstuerzt. Nach dem das Buch „Riffaquaristik fuer Einsteiger“ von Daniel Knop innerhalb weniger Tage verschlungen und ohne Belastung verdaut war, ging es mit den ueberlegungen los. Da ich mein Abitur und alle anderen stressigen Sachen hinter mir hatte, konnte ich mir ueberlegen, was ich eigentlich will. Nach einigen Gespraechen mit dem einen oder anderen Haendler und den Bekannten mit Meerwasserbecken war klar: Das Projekt Meerwasserbecken kann beginnen. Schnell war ein leeres Becken gefunden und der geeignete Ort auch. Nun ging es los die Technik zu besorgen. Da man nun nicht so viel Geld ausgeben will, weil man zum Einen noch keins verdient oder zum Anderen wenig hat, musste also etwas Billigeres geplant werden. Dank des Mediums Internet und der Tauschboerse E-Bay wurde auch schnell das in meine Augen Guenstigste und auch ausreichendste Licht gefunden. Manch erfahrene Meerwasseraquarioten werden bei dem Folgenden sagen „dat wird eh nix“ aber das wuerde auch jeder erfahrene Suesswasseraquarianer zu so manchen Anfaenger sagen. Aber wie es im Leben so ist, aus Fehlern wird man klug. Kurzer Hand habe ich erst mal zwei HQI-Lampen fuer zusammen 35 € erstanden, war natuerlich auch keine Abdeckung bei, sondern es war nur das Vorschaltgeraet und die Halterung der Brenner, sprich ein Downlight dabei. Die Bastelei Man hat ja nicht umsonst zwei Haende und es ist auch noch recht guenstig, wenn man etwas mit Holz, Schrauben und Metall umgehen kann und sich seine Abdeckung selbst bastelt. Da manche Leute, so auch unsere Familie, sich von sehr wenig trennen koennen, stand das Meiste rum und konnte verwendet werden. Vorerst kam es mir mal nicht auf Schoenheit an, sondern es sollte guenstig und funktionell sein. Es fand sich schnell die richtige Platte aus wasserfestem Holz, genug Aluprofile als Kanten standen auch noch rum. Zwei 15 cm grosse Loecher in die vorher zurecht gesaegte Platte, und schon waren die Downlights eingesetzt. Vorne und an den Seiten eine Blende dran und die Lampen an die Vorschalt- geraete angeschlossen. Eine Neonlampe wurde auch noch montiert um die erforderlichen Blauanteile des Lichts noch einzubringen. Die Abdeckung war also fertig, nun ging’s ans Becken. Wenn man nun die Meinungen der See- wasseraquarianer hoert, wird man sich bestimmt sagen „na klasse, was die so alles meinen is ja nicht schlecht“. Der eine meint nur mit Unter- becken, der andere meint geht ohne Unter- becken. Dabei kommt es voellig darauf an, wie oft man an das Becken herankommen muss oder wie viel Zeit man hat, um sich darum zu kuemmern. Da das Becken an einem Ort steht, den man nicht taeglich erreicht und meist nie so viel Zeit hat um sich so doll um das Becken zu kuemmern, habe ich mich fuer die Loesung mit einem Unterbecken entschieden. Bei dem zukuenftigen Meerwasserbecken handelt es sich um ein selbstgebautes Panoramabecken mit den Massen 125×36x45 aber leider ohne Lochbohrungen. Da stand man nun vor einem weiteren Problem. Aber man soll die Hoffnung nie aufgeben. So fand sich auch ein Haendler, der solche schoenen Bohrer hat und sie uns netterweise lieh, so konnten wir zwei Loecher in die Bodenplatte bohren. Natuerlich haben wir dieses mit groesster Vorsicht getan. Ein Loch war 52 mm stark das Andere 27 mm, das dicke ist der Ablauf, der duenne der Einlauf., Zwei Loecher hatten wir ja nun jetzt fehlten nur noch die ganzen Ver- schraubungen, das Rohr und sonstige PVC-Fittinge. So hiess es dann schnell zum Haendler und „PVC-Muell“ kaufen. Nun ist dieser „Muell“ nicht gerade guenstig, so hatten wir schnell mal 70 € zusammen. Das war aber schon klar, denn fuer die Luftverrohung in meiner Zuchtanlage musste ich auch recht viel hinlegen aber dafuer haelt es. Nun nur noch den „Muell“ zusammengeklebt und es konnte Wasser ins Becken. Fast, denn es fehlte noch der ueberlaufschacht. Na ja den hatten wir aus einem alten Becken aus- geschnitten und mit einem Winkelhalter im rechten Winkel mit Aquariensilicon zusammengeklebt. Dieser wurde mit grobem Korallenbruch gefuellt und oben drauf, fuer leiseres Einfallen des Wassers, ein duenner Schwamm aufgelegt. Als Unterbecken dient ein altes leicht zerkratztes 80×30x30 grosses Becken, das irgendwann entsorgt wird und durch ein Neues ersetzt wird. So kommt das Becken auf ein Volumen von 260 Litern.
Fertig war das Becken und es konnte endlich Wasser rein

Das erste Wasser Bei diesem Thema spalten sich die Meinungen vieler Aquarioten . Es gibt Viele, die meinen, es geht mit Leitungswasser und Andere, es geht nur mit Osmose- wasser. Was jetzt das Bessere ist, kann ich noch nicht beurteilen. Meine Wahl ist auf das Osmose wasser gefallen, um die Bildung von Kieselalgen zu verhindern. Rein theoretisch wird es auch mit Leitungswasser gehen, dabei denke ich aber, dass es auf die Beschaffenheit des Leistungswassers ankommt. Wenn man Leitungswasser hat, das dem Osmosewasser ähnlich ist, ist es meiner Meinung nach kein Problem. Hat man aber Leitungswasser wie wir hier in Hannover, das relativ viel Belastung an Selikaten und anderen Spurenelementen aufweist, ist es wahrscheinlich besser Osmosewasser zu nehmen. Da ich es aber nicht besser weiss, soll dies keine Allgemeinguetigkeit haben. Um das Becken mit Osmosewasser voll zu bekommen, muss man natuerlich erst mal eine Osmoseanlage haben. Und so habe ich mir vorerst eine von einem Bekannten ausgeliehen. Also wurde die geliehene Osmoseanlage angeschmissen und lief erst mal zwei Tage, um das Becken voll zu bekommen. Nachdem das Becken voll war wurde die Technik eingesetzt und angeschlossen.

Die Technik

Ganz schlicht vorweg eine kleine Liste der Technik:

* 1x Abschaeumer alphaskim von Intermarin mit aquabee 2000 Dispergatorpummpe
* 1x Foerderpumpe aquabee 2000/1 38 Watt
* 1x Stroemungspumpe aquabee 1000
* 1x 200 Watt Heizung
* 2x 70 Watt HQI-TS Brenner mit 10000 K Brennern (Giesemann)
* 1x 30 Watt Neonlampe mit blauer Lampe Lichtfarbe 67
* 1x Selbstbau Kalkreaktor aus 103 Fluval Aussenfilter mit 12kg CO2-Flasche

Nun etwas genauer.

Zum Abschaeumer gibt es nicht viel zu sagen. Die Form entspricht einem kleinen a, in dem das Luft-Wasser-Gemisch in Rotation gebracht wird und dann die Schmutzbruehe in einen kleinen Pott ablaeuft. Die beiden Aquabee-Pumpen sind wie oben erwaehnt, zum Einen zum Hochbefoerdern des Wassers aus dem Unterbecken und zum Anderen, um die Stroemung im Hauptbecken zu bewirken, damit mehr Verwirbelungen erzeugt werden. Beide Pumpen liegen mit dem 3000 L/h Umwaelzleistung beim 11,5-fachen des Beckenvolumens, also im optimalen Bereich. Die Heizung ist nur zur Vorsicht, falls die Waerme im Raum mal nicht reicht, sonst liegt die Temperatur bei 24-25°C auch mal ein bisschen drueber. Die zuvor erwaehnten HQI´s sorgen fuer das noetige Licht und mit der Blau-Lampe wird das Farbspektrum ergaenzt. Nun das Spannendste: Der selbstgebaute Kalkreaktor. Nach Studieren so mancher Meerwasserseiten im Internet und Durchlesen so mancher Beschreibung zum Bau eines Kalkreaktors, habe ich mir aus einem Fluvalaussenfillter einen kleinen, aber schnuckeligen Reaktor selbstgebastelt. Beim Haendler meines Vertrauens habe ich mir drei T-Stuecke mit einem 4mm Durchmesser grossen Anschluss fuer einen Luftschlauch bestellt. Diese habe ich dann alle im Abstand von 10-15 cm mit dem Schlauch verbunden und an den Ein- und Auslauf des Filters in U-Form angebracht. Dadurch kann das Wasser zirkulieren und die geringe Menge Calcium kann durch das erste T-Stueck ins Filterbecken tropfen. Am zweiten T-Stueck ist der Einlauf des neuen Wassers, der durch einen Bypass am Zulauf fuer das Hauptbecken angeschlossen ist. Durch das dritte T-Stueck wird CO2 in das System eingelassen. Durch Regelung des Auslaufs kann der Druck im Filter erhoeht werden und mehr CO2 kann geloest werden. Wuerde man nun den Zulauf am Einlauf des Filters regulieren, wuerde ein geringerer Druck entstehen und man braeuchte mehr CO2 um Calcium zu loesen.

Das Salz

Um ein Meerwasserbecken zu betreiben, nun das Wichtigste: Das Salz. Fuer Manche ist das vielleicht nicht so interessant, aber dennoch ist es nennenswert . Fuer mein Becken musste ich 8,8kg Salz im Becken loesen, um eine erforderliche Dichte von 1,021-1,026 zu erreichen. Momentan liege ich mit dem Salzgehalt bei 1.026. Etwas zu hoch, aber Verduennen ist leichter als Nachdosieren und da Wasser verdunstet, wird es auch nicht so schwer. Durch Verduennen bin ich nun auf einem Salzgehalt von 1,024 gelandet und den ich auch versuchen werde stabil zu halten.

Die Einrichtung

Als alles Andere fertig war, wurde das Becken erst einmal mit dem Salz eine Woche lang eingefahren. Nach dieser einen Woche wurde dann mit dem Spannendsten begonnen. So wurde nach der Vorbereitung und dem Aufbau des zukuenftigen Riffaquariums das erste Leben in die Geschichte gebracht. Aus einem Aquariengeschaeft mit Meerwasserabteilung habe ich dann ausschliesslich Lebendgestein gekauft Die Beckengroesse liegt in einem Bereich, bei dem der Kauf von Lebendgestein noch erschwinglich war. Jetzt geschieht die naechsten Wochen erst mal nix auf dem Gebiet der Einrichtung, da erst einmal die Filterbakterien sich aufbauen muessen und die einzelnen Phasen der Einfahrzeit ueberstanden sein muessen. Einzelheiten zum Einrichten mit Korallen und Fischen und die weitere Entwicklung des Beckens werden, wenn moeglich, weiterhin dokumentiert und auf diesen Seiten veroeffentlicht.

Text und Bilder: Dennis Raudies